Denkmodell
Trading-Philosophie
Trading ist Poker mit Charts — Entscheidungen unter Unsicherheit. Fünf Bausteine, die jede Idee durchlaufen muss, bevor sie eine Strategie wird.
Mein Framework: 3 Säulen
Research, Tools, Transparenz — alles andere ist Marketing
Research
Ehrliche Backtests. Keine Overfitting. Echte Kosten und Slippage.
- 15+ Research Posts
- 2,500+ Backtests
- Live-Performance offen
Tools
Interaktive Rechner. Regeln statt Emotion. Automatisierung und Disziplin.
- Expectancy Rechner
- Kelly Kriterium
- Position Sizing
- Sparplan
Transparenz
Live-Konto offen. Drawdowns gezeigt. Community-Fokus statt Guru-Marketing.
- Live Equity Curve
- Drawdown-Daten
- Discord Community
Trading ohne Statistik ist Glücksspiel mit Chart-Interface. Märkte sind kein Orakel, das auf die richtige Linie wartet. Märkte sind ein Spiel mit Regeln, Wahrscheinlichkeiten, Gegnern, Einsätzen und Konsequenzen. Die beste Strategie gewinnt langfristig — nicht der mit der lautesten Meinung, der schönsten Trendlinie oder der höchsten Winrate auf Instagram.
Wenn ich eine Trading-Idee bewerten will, durchlaufe ich diese fünf Bausteine — in dieser Reihenfolge. Was hier scheitert, wird nicht traded.
1. Erwartungswert
Ein einzelner Trade beweist nichts. Eine einzelne Pokerhand beweist nichts. Entscheidend ist die Qualität der Entscheidung über viele Wiederholungen. Genau deshalb ist Erwartungswert die zentrale Grösse im Trading — und nicht Winrate, nicht das letzte Ergebnis, nicht das Bauchgefühl.
Kernaussage: Erwartungswert ist wichtiger als Winrate oder Einzelergebnisse.
Das Winrate-Fallstrick
Eine Strategie macht 9 Trades à +10 € und 1 Trade à −200 €. Das ergibt 90 % Winrate — und gleichzeitig einen Verlust. Wer nur auf die Trefferquote schaut, sieht ein Erfolgssystem. Wer auf den Erwartungswert pro Trade schaut, sieht ein Verlustsystem. Diese Verwechslung kostet Retail-Trader systematisch Geld.
Die Formel und ehrliche Messung
E = (Gewinnrate × ⌀ Gewinn) − (Verlustrate × ⌀ Verlust)
Die Formel ist banal. Was nicht banal ist: ehrlich messen statt schön rechnen.Backtests ohne Kosten, ohne Slippage, ohne Steuern erzeugen Fantasie- Erwartungswerte. Wer sich dort selbst belügt, zahlt im Live-Konto.
Das passende Werkzeug dazu: der Expectancy-Rechner.
2. Risiko und Money Management
Ein positiver Erwartungswert allein gewinnt kein Spiel. Wer mit Edge spielt, aber zu gross sizet, geht trotzdem pleite — das ist kein Pech, das ist Mathematik. Risk of Ruin ist keine Story, es ist eine Verteilung.
Kernaussage: Positionsgrösse ist wichtiger als die Strategie selbst.
Volatility Decay — der unsichtbare Feind
100 × 1,05 × 0,95 = 99,75. Ein +5 % und −5 % im Wechsel sehen im Mittel nach Null aus, ergeben aber real einen Verlust. Je höher die Volatilität pro Trade, desto stärker frisst dieser Effekt geometrisches Wachstum auf. Genau deshalb ist Positionsgrösse wichtiger als die Strategie.
Kelly-Kriterium und die Fraktionen
Das Kelly-Kriterium liefert eine theoretische Obergrenze. In der Praxis ist Full Kelly fast immer Wahnsinn: Winrate, Payoff, Slippage und Tail Risk sind nie sauber bekannt.
- Alles über Quarter Kelly → hochriskant
- Half Kelly → ~75 % des Wachstums, deutlich kleinere Drawdowns
- Full Kelly → optimiert für Ruin, nicht für Erwartungswert
Stop-Loss ist kein primäres Risiko-Werkzeug
Ein Stop-Loss ist in dieser Logik kein magischer Airbag, sondern eine Order, die im falschen Moment ausgelöst werden kann. Das primäre Risiko-Werkzeug ist Sizing, nicht Stop-Platzierung.
Werkzeuge dazu: Kelly-Rechner und Positionsgrössen-Rechner.
3. Informationsvorteil
Ein Markt ist ein Spiel mit Gegnern. Wer in einen Trade einsteigt, steigt in eine Gegenwette ein — auf der anderen Seite sitzt jemand, der gerade die entgegengesetzte Entscheidung trifft. Wenn man nicht weiss, warum man auf der besseren Seite steht, steht man auf der schlechteren.
Kernaussage: Edge kommt aus strukturellem Vorteil, nicht aus Indikatoren.
Woher kommt echter Edge?
Edge entsteht nicht durch einen Indikator, den jeder kennt, oder durch ein Setup, das auf jedem Screenshot identisch aussieht. Edge entsteht aus strukturellen Unterschieden:
- • Besserer Datenzugang
- • Besseres Risikomodell
- • Längerer Zeithorizont
- • Strukturelle Markinefizienz
- • Klarere, weniger emotionale Regeln
Die kritische Frage
Wo genau kommt mein Edge her, und warum wird er nicht von jemandem mit mehr Ressourcen wegarbitriert?
Wenn die Antwort nicht in einem Satz steht, gibt es keinen Edge. Wer glaubt, mit einem 50/200-MA-Cross gegen einen Hedge Fund einen Vorteil zu haben, hat das Spiel nicht verstanden.
4. Psychologie
Eine Strategie mit positivem Erwartungswert ist wertlos, wenn sie nicht ausgeführt wird. Genau hier verlieren die meisten — nicht im Backtest, sondern im Drawdown.
Kernaussage: Systematisches Trading ist ein Disziplin-Vorteil, nicht ein Performance-Vorteil.
Die psychologischen Fallen
- Drawdown-Phasen: Panik, die zum Verkaufen auf Tiefpunkten führt
- Tilt nach Verlust-Serien: Emotionale Entscheidungen statt Regelwerk
- Übertrading nach Gewinn-Serien: Überconfidence-Bias
- Frühzeitiges Schliessen: Position kurz vor Take-Profit nervös verkaufen
- Stop-Verschiebung: Stop kurz vor dem Treffer manuell verlegen
Das sind keine Marktphänomene, das sind Selbstbetrugsphänomene. Sie zerlegen jede noch so saubere Strategie. Ein Plan, den man im Stress nicht einhält, ist kein Plan.
Disziplin durch Automatisierung
Systematisches Trading ist nicht primär ein Performance- Vorteil, sondern ein Disziplin-Vorteil: Regeln, die im Vorhinein festgelegt und im Code abgebildet sind, lassen sich nicht wegdiskutieren, wenn die Hand zittert.
Die wichtigste Frage ist nicht “Was würde ich jetzt machen?”, sondern “Was hatte ich mir vorgenommen, bevor das Geld auf dem Spiel stand?”
5. Prozess statt Einzelergebnis
Ein gewonnener Trade beweist nicht, dass die Entscheidung gut war. Ein verlorener Trade beweist nicht, dass sie schlecht war. Diese beiden Sätze klingen banal und sind in der Praxis fast unmöglich zu internalisieren — weil unser Gehirn Geschichten an Ergebnisse klebt, nicht an Entscheidungsqualität.
Kernaussage: Beurteile Entscheidungen nach Prozess, nicht nach Einzelergebnis (Resultat-Bias).
Resulting — der Pokerspieler-Begriff
Pokerspieler haben dafür den Begriff Resulting: aus einem einzelnen Resultat auf die Qualität einer Entscheidung schliessen. Das ist im Trading der Standardfehler.
Eine 10er-Serie sagt fast nichts über die Strategie — und doch wird sie genutzt, um eine Methode zu verwerfen oder zu glorifizieren. Eine zufällige Gewinn-Sequenz ändert nichts an der Qualität des Systems.
Was wirklich zählt: der Prozess
- Ehrlicher Backtest (mit Kosten, Slippage, Steuern)
- Ehrliche Live-Performance (nicht Cherry-picked)
- Ehrliche Fehleranalyse (nicht Excuse-Finding)
- Ehrliche Drawdown-Realität (nicht Fantasie-Backtests)
Wer einen guten Prozess hat, kann verlieren ohne den Plan zu kippen. Wer keinen Prozess hat, optimiert nach jedem Wochenende eine neue Strategie und nennt das Lernen.
Wogegen ich bin
- Chart-Astrologie
- Guru-Content
- Indikator-Magie
- PnL-Screenshots ohne Methodik
- Strategien ohne Drawdown-Realität
Wofür ich bin
- Statistik
- Backtests mit ehrlichen Annahmen
- Erwartungswert
- Risk Management
- Live-Performance, die jeder mitlesen kann
Diese fünf Bausteine sind nicht originell. Sie sind alt, gut belegt und in jedem ernsthaften Buch über Entscheidungen unter Unsicherheit zu finden. Originell ist nur, wie konsequent man sie auch dann anwendet, wenn das Konto im Drawdown ist und die nächste „heisse Idee“ auf dem Bildschirm leuchtet.
Wer das Denken in Code übersetzen will: Tools, Research und Performance gibt es offen.